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Dominic Thiem – Der mit dem Schläger spricht

Sogar noch bis zum Spielstand null zu zwei im Finale der US Open 2020 unkten all die Experten via Social Media, wie nicht aus dem „Domi“ niemals nicht ein echter Tennisstar vom Formate eines was weiß ich werden wird. Euch Koffern werfen wir nun an seiner Statt ein herzlich gemeintes Götz-Zitat vor die Füß’. Dominic Thiem selbst wäre dazu viel zu freundlich.

Text: Franz J. Sauer / Foto: Getty Images

Klar, wir wären nicht der WIENER, hätten wir es nicht schon immer gewusst. Obwohl – fast hätten wir höchst indirekt, aber letztlich ja vielleicht doch den kometenhaften Aufstieg eines jungen Lichtenwörthers zum besten Tennisspieler der Welt (ja, das isser jetzt gerade, und aus!) verhindert. Irgendwann im Frühsommer 1993 saß nämlich WIENER-Mitarbeiter Wolfgang E. mit Karin und Wolfgang Thiem bei einem Perchtoldsdorfer Heurigen zum Nachtmahl. Und der Thiem senior tätschelte seiner lieben Karin mit dem Kommentar: „Da drinnen ist er, mein kleiner Wimbledon-Sieger!“ auf den schon prall gefüllten Babybauch. Besorgt ob derlei un­genierter Eislaufeltern-Attitüden wies unser Wolfi den ehrgeizigeren solchen darauf hin, seinen kleinen Buben doch nicht schon vorab nachhaltig zu überfordern. Und wie denn das dann sein würde, wenn er durch ihn nur seine eigenen Träume und so weiter und blablabla …
Nun, glaubt man Dominic Thiems eigenen An­gaben, war seine Kindheit keine übermäßig stra­pazierte. Dennoch muss man sagen: Ein Mann der ­leeren Ankündigungen war Wolfgang Thiem nicht ­gerade. Auch wenn es letztlich die US Open ­wurden. Aber Grand Slam ist Grand Slam.


Dass eben jene Experten, die an den Thiem-Sieg bis zuletzt nicht glaubten, gleich nach dem uns alle von der Anspannung einer Fünf-Sätze-Partie befreienden Out-Ball eines hervorragend spielenden Sascha Zverev das Cordoba-Rezitativ aus dem miefenden Nationalistenkeller holten, musste so kommen. Ein Dominic Thiem selbst hat dafür nur ein lächelndes Kopfschütteln über – wie eigentlich eh für das meiste, das man ihn fragt, wenn er vor ­einem TV-Mikrofon steht oder sitzt.

Derzeit liegt der Niederösterreicher auf einer durch Covid-19 seit März eingefrorenen Weltrangliste auf Platz drei, Spekulationen darüber, wie es denn wäre, wäre 2020 ein normales Jahr, sind ebenso sinnlos, wie darüber zu fabulieren, wer die US Open gewonnen hätte, hätten Federer und Nadal mitgespielt und wäre Djokovic kein unlocker weggespielter Ball Richtung Linienrichterinnen-Hals ausgekommen. Aber wir, die wir immer alles schon immer wussten, sagen euch auch diesmal voraus: Der Grand-Slam-Titel wird nicht der letzte Thomas-­Muster-Erfolg sein, den Dominic Thiem egalisiert. Auch den Einser des Rankings wird er irgendwann derklengen. Und wir werden dann ­sagen: Wir haben es schon immer gewusst.