Film & Serie

Silicon Valley – Informatikerhumor der Extraklasse

Sind diese Computerfritzen da drüben in Kalifornien wirklich alle so seltsam wie Elon Musk, Bill Gates oder Mark Zuckerberg? Ja, wenn es nach „Beavis and Butt-Head“-Erfinder Mike Judge geht.

Text: Markus Höller / Foto: Sky Entertainment

Nerd- und Geekhumor ist seit Jahren angesagt – siehe „The Big Bang Theory“ oder „The IT Crowd“, beide folglich auch mit schier unerschöpflichen Internet-Querreferenzen. Umso erstaunlicher, dass es so lange gedauert hat, um eine Serie über das IT-Biz selbst zu machen, natürlich im Silicon Valley spielend. Niemand geringerer als Mike Judge, der Schöpfer von „Beavis and Butt-Head“ (danke dafür!, Anm. d. Red.), zeichnet für die Kreation und Produktion verantwortlich, und das bürgt für Qualität.


Wir folgen der Story von Superbrain/Obernerd Richard Hendriks, der mehr oder weniger zufällig mit seinem Programm Pied Piper den heiligen Gral der IT-Branche findet: den schnellsten, leistungsfähigsten und dennoch verlustfreien Kompressionsalgorithmus. Dies tut er aber im Incubator von Internet-Großmaul Erlich Bachmann und ist geschäftlich fortan an ihn und die anderen Kollegen dort ­gebunden. Dies sind Nullchecker Nelson „Big Head“ Bighetti, ­Zyniker Bertram Gilfoyle und sein Counterpart Dinesh Chugtai. Da Internetgigant hooli (guess who) samt Superschurkenboss Gavin Belson alles daran setzt, diese Technologie zu besitzen, entspinnt sich ein wirtschaftlicher und persönlicher Kampf der Oberklasse. Dabei wird mit herausragendem Casting und Schauspiel mit so ­einer Detailverliebtheit an all die so eng beieinanderliegenden ­Genieblitze und Neurosen der klassischen Rollenklischees herangegangen, dass man auch als nicht computeraffiner Mensch wirklich seinen Spaß hat. Hervorragendes Gagtiming und sowohl wiederkehrende Charaktere wie der irrwitzig oszillierende Milliardär Russ Hanneman oder die echsenartige Laurie Bream als auch bekannte Cameos reichern die schillernde Welt des Mekkas der IT-Branche mit ­jeder Folge und Staffel an. Alleine die über die Staffeln variierende Titel-Animation ist ein Kleinod für sich.

Auch für Freunde der flotten Fortbewegung gibt es viel zu sehen, immerhin sind wir im Kalifornien der Zehnerjahre! Die gewichtige Präsenz von Teslas wechselt mit der lustvollen Überdrüber-Alltagsuntauglichkeit eines McLaren 650S Spider oder dem häss­lichen Geschwür von einem Ford Escape. Es gibt Flüge in getrennten Learjets. Signature-Getränke. No-Names werden über Nacht zu mehrfachen Millionären, Milliardäre zu ihrem Leidwesen auch. ­Social Distancing ist sowieso kein Thema, weil eh sozial inkompetent mit Verdacht auf Asperger.

Angenehmerweise passiert das eben aber nicht so hollywoodesk glattgebügelt wie bei der Nerd-WG von „TBBT“, sondern mit etwas mehr Rotz – der Einfluss von eben Mike Judges anarchischem Humor, der mit seinen ikonischen 90er-Headbangern sogar einen ­Kinofilm und ein Hit-­Revival von Cher zur Folge hatte. Besonders die immer wieder erstaunlichen Cliffhanger und der konstante Ausbau der komplexen privaten und beruflichen Verknüpfungen lassen einem die Stamm- und Gastcrew richtig ans Herz wachsen. Und einen mit Spannung und köstlichen Momenten ganze sechs Fullsize-Staffeln wirklich interessiert bis zum Finale durchbingen. Ein irrer Ritt, der Zuschauer innerhalb und außerhalb der IT-Branche amüsiert, wie Kinoklassiker „Spinal Tap“ einst Musiker und Kinopublikum erfreute.


Silicon Valley
by Mike Judge, John Altschuler & Dave Krinsky. Mit Thomas Middleditch, T. J. Miller; 6 Staffeln; HBO/Sky.