Die erste Show der Rolling Stones in Österreich fand am 17. September 1965 statt. Ob die fast exakt 52 Jahre später kommende Show in Spielberg ihre letzte solche sein wird, bleibt dahingestellt.

Umweltverschmutzung, Terrorismus, Atomkraftwerke nebst -bomben: langsam müssen wir uns ja schon alle mal fragen, welche Welt wir eigentlich Keith Richards hinterlassen müssen. Wie es aussieht kam die vor sieben Jahren erschienene Biografie des Stones-Gitarristen und Ur-Gesteins ein paar Jahrzehnte zu früh, sollte sie als eine Art Lebenswerk-Rückschau gelten.

Feststeht: die Stones gehen ein weiteres Mal auf Tour. Ohne Filter, mal wieder. Und sie beehren auch Österreich, am 16. September beim Red Bull Ring zu Spielberg. Wie gewohnt werden die Herren Jagger, Richards, Watts und Woods auch diesmal keinerlei Alterserscheinungen zeigen. Wie schon die 15 Shows in den 52 Jahren davor. Wir bringen hier mal eine kleine Rückschau auf ein halbes Jahrhundert an Stones-Konzerten in Ösi-Land.

17. September 1965, Wien, Stadthalle

Eigentlicher Frontmann der damaligen Stones ist Brian Jones, exzentrischer Gitarrist und Lebemann, den Drogen nicht abgetan und überhaupt ein wilder Hund, dem man die Erfindung des vom-Rockstar-zerstörten-Hotelzimmers gerne nachsagt. Gewohnt wurde damals jedenfalls im Bristol, kaputt ging nix. Und die Setlist bestand gerade mal aus acht Songs, darunter schon das ikonische Satisfaction

The Rolling Stones during a rehearsal for ABC’s ‚Thank Your Lucky Stars‘ TV pop music show, 1964. From left to right Brian Jones, Bill Wyman, Mick Jagger and Keith Richards. (Photo by Terry O’Neill/Getty Images)

2. April 1967, Wien, Stadthalle

Noch immer in der ikonischen Ur-Besetzung Jagger-Richards-Jones-Wyman-Watts unterwegs spielt man diesmal zwei Shows an einem Tag in Wien, begleitet von demonstrationsartigen protesten in der Stadt gegen die Langhaarigen. Im Repertoire auch schon: Ruby Tuesday. Immerhin nimmt auch schon die Tagespresse Bezug, der damals starken „Arbeiter Zeitung“ ist die Landung der Stones um 14h10 in Schwechat bereits einen Achtzeiler wert:

© arbeiter-zeitung.at, Archiv

27. September 1970, Wien, Stadthalle

Man gilt als die zweitbekannteste Band nach den Beatles und genießt die Gattungszuordnung von „Beatmusikern“. Der AZ ist man immerhin bereits einen Dreispalter wert, allerdings einen leicht enttäuschten, ob der unerwarteten Diszipliniertheit der Fans. Die Stones selber logierten in Baden, die Sau raus ließen sie dem Vernehmen nach bloß in der „Caravelle“ der Austrian Airlines, deren Pilot ziemlich lange mit Putzen beschäftigt war. Nicht mehr mit an Bord: der kürzlich verstorbene Brian Jones, ersetzt durch Mick Taylor an der Gitarre. Let it Bleed, Brown Sugar und Sticky Fingers gehören zum Repertoire.

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1. September 1973, Wien, Stadthalle

23. September 1973, Innsbruck, Olympiahalle

Das aktuelle Album heisst „Goats Head Soup“, „Exile on Main Street“ ist auch schon raus, an der Orgel werkt der geniale Billy Preston und erstmals treten die Stones nach einem fulminösen Tourstart in der Wiener Stadthalle im Westen des Landes, exakt in Innsbruck vor das Österreichische Publikum. Vor den Fans hat man mittlerweile weniger Angst, die Beatles gibts auch nicht mehr, ebensowenig wie die Cream oder Jimi Hendrix, wie der legendäre Alfred Pulletz in der AZ konstatiert.

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23. Juni 1976, Wien, Stadthalle

Nur drei Wochen zuvor war Keith Richards 10 Wochen alter Sohn am plötzlichen Kindstod verstorben, der Gitarrist ließ dies aber weder verlauten, noch sich was anmerken. The Shows went on, unter anderem und unmittelbar vor dem Wien-Date das erste Mal nach 1967 auch in einem kommunistischen Land, nämlich in Jugoslawien, gleich für zwei Shows. 20 Songs standen auf dem Programm, unter anderem der Opener „Honky Tonk Woman“, „You can’t always get …“ oder auch „It’s only Rock’n’Roll (but I like it)“. Nicht auf der Setlist: das die gesamte Band damals nervende Satisfaction. Wieder mit an der Orgel: Billy Preston. Der Mitschnitt zeigt sie bei ihrem Auftritt im August 1976 in Knebworth:

3. Juli 1982, Wien, Praterstadion

Die Band ist ausgelaugt, die höchst erfolgreich, aber zwischenmenschlich schwierige US-Tour des Jahres 1981 ist abgedreht und Keith Richards und Mick Jagger driften persönlich immer mehr auseinander. Streit liegt in der Luft, im Rahmen der Europatour 1982 tritt man aber schon noch einmal gemeinsam in Wien auf – erstmals im großen Rahmen des Wiener Praterstadions. Die Setlist ist 25 Songs stark, Satisfaction ist auch wieder mit dabei, das Konzert kommt locker auf drei Stunden.

Ein wenig aus der Mode gekommen sind die „Oldies“ zu jener Zeit bei den sogenannten Jugendlichen, die sich in diversen Tageszeitungen darüber lächerlich machen, wie ein Richards und ein Jagger Parolen wie „Drogen, nein danke!“ schwingen können. Und auch AZ-Redakteurin Miriam Berger schwärmt in einer Full Page (mit Cover-Ankündigung) von längst vergangenen Tagen, als Mick Jagger noch ein Idol für sie war …

© Stimmen der Welt

31. Juli 1990, Wien, Praterstadion

Nach einem längeren Zerwürfnis, ein paar Solotrips der einzelnen Protagonisten und einem tränenreichen Versöhnungszeremoniell finden die Rolling Stones im Frühjahr 1989 zusammen um gleich darauf zur monströsesten und größten Stones-Tour bis dahin der über ein Jahr dauernden, über alle Kontinente führenden Steel Wheels / Urban Jungle-Tournee aufzubrechen. Erstmals bekommen Begriffe wie „Toursponsoring“ ein Gesicht (Maxell-Kassetten kommen im entsprechenden Layout) und der Chronist dieser Zeilen erlebt die Steine erstmals live und direkt. Und nicht minder fasziniert. 23 Songs stehen auf dem Programm, „Start me Up“ den unvergesslichen Opener und die kurz darauf erscheinende LP „Flashpoint“ bringt sogar einen Mitschnitt der Tour (mit Gaststars wie Eric Clapton) in die Plattenläden.

© Rolling Stones Wikipedia

1. August 1995, Zeltweg, A1-Ring

Bill Wyman steigt aus, sagt dem Tourleben ade, die anderen machen weiter. Und beglücken im Rahmen ihrer riesigen Voodoo Lounge Tournee auch erstmals den damals noch ganz anders heißenden Österreichring in Zeltweg. Mit einem Gesamtumsatz von 320 Millionen Dollar (darin nicht gerade schwach beteiligt enthalten: eine Mega-Kampagne mit VW nebst Sondermodell und allem Drum und Dran) ist es die bis dahin bestverdienenste Konzerttour der Welt, Megalomanie ist endgültig angesagt. Ach ja, einige interessante Opening-Acts frischen ihre damals noch zaghafte Bekanntheit im Fahrwasser der Stones auf, etwa: Bryan Adams, Lenny Kravitz und die Stone Temple Pilots.

© Rolling Stones Wikipedia

11. Juli 1998, Wr. Neustadt, Flugfeld

Weil die Stones halt gerne Rekorde brechen, treten sie hierzulande an, um den Pink Floyd-Alltime-Rekord von 93.000 Personen hierzulande aufzuweichen – was mißlingt. Österreich-Veranstalter ist seit 1990 Wolfgang Klingers Rockproduktion, das Bridges to Babylon-Album liefert den Grund für die Tour und erstmals kann man sich per „Web-Vote“ Songs wünschen, die die bereits ihr 35jähriges Bandjubiläum feiernden dann auch prompt spielen. Etwa „Gimme Shelter“ oder „Under my Thumb“ finden so auf die Setlist, ein Teil der Show wird auf der sogenannten B-Stage inmitten des Publikums bestritten. Vorbands sind in den USA Sheryl Crow, Jamiroquai, Pearl Jam oder die Foo Fighters, in Österreich liefern die heimischen Rising Stars Paradise Now den Opener.

Mike Jagger during the taping of the video for the song „Throwaway“. (Photo by Henry Diltz/Corbis via Getty Images)

31. Mai 1999, Imst, Festivalgelände Brennbichl

Weils so schön war verlängern die Stones ihre Bridges-Tour gleich fast nahtlos zur No Security-Tour und kommen in weniger als Jahresfrist zurück nach Österreich, diesmal ganz in den Westen. Ein extra um die Stones gezimmertes Festival in Imst, das neben den Headlinern auch Bryan Adams und Zucchero zeigt, bringt die größte Alpen-Rock-Show aller Zeiten, an denen letztlich der Veranstalter Art Club Imst pleite geht. Die Fans wundern sich über die Kondition des 60jährigen (pruuust!) Jagger und fürchten, es könnte die letzte Show gewesen sein. Naja …

18. Juni 2003, Wien, Ernst Happel Stadion

Ryan Adams, The Strokes und Susan Tedeschi werden im Rahmen der Tour bekannter, langsam bekommen die regelmäßigen Stones-Shows Routine, dass bald damit Schluss sein könnte, glaubt niemand mehr. Während die Alt-Rocker ihrem Kult aber brav weiterhin huldigen, entdecken auch die jüngeren Fans und Musikfreunde die Alt-Band, was weiterhin für ausverkaufte Stadien sorgt.

British guitarists Keith Richards and Ronnie Wood, and singer and songwriter Mick Jagger, leader of rock band The Rolling Stones on stage at the Giants Stadium, in New York. (Photo by David Lefranc/Kipa/Sygma via Getty Images)

14. Juli 2006, Wien, Ernst-Happel-Stadion

Die „Bigger Bang-Tour“ bricht Rekorde, mit 558.255.524 Dollar spielt sie einen absoluten High-Score unter allen Konzerttourneen ein und verweist auch Dinosaurier-Mitstreiter wie U2 oder Madonna auf die Plätze. Dabei war die Durchführung der Show kurze Zeit in Gefahr, weil sich Keith Richards mitte April bei einem Sturz von einem Baum in Neuseeland mittelschwer verletzte. Zur Verblüffung aller war er aber bereits im Juni wieder voll hergestellt, vielleicht war auch die Drohung eines Einnahmeverlusts von bis zu 1 Million Dollar pro abgesagter Show ein profunder Genesungs-Turbo.

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16. Juni 2014, Wien, Ernst Happel Stadion

Zum diesmal aber wirklich aller-allerletzten Mal versammeln sich 57.708 Menschen im Wiener Praterstadion und bringen einen umsatz von 9,3 Millionen Dollar in die Taschen der Stones, die mittlerweile selbst veranstalten und lokale Partner nur mehr als Durchführer akzeptieren. Die Hütte ist also ein weiteres Mal voll, die Fans sind begeistert und die 35 Minuten, die es braucht bis alle Tickets weg sind, werden wohl am kommenden Freitag, wenn die kommende Stones-Show in Spielberg am 16. September in den Verkauf gehen, vielleicht sogar noch unterboten werden.

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16. September 2017, Spielberg, Beim Red Bull Ring

Es ist die 15. Niederkunft in 52 Jahren der Stones in Österreich, Sir Mick Jagger ist 74, Keith Richards 73 und Drummer Charlie Watts gar 76. Am 9. September startet die Tournee in Hamburg, vier 20 Meter-Türme sowie eine zweite Bühne inmitten des Publikums erwarten die Fans, der für gewöhnlich wirklich gut informierte Musik-Spezialist Thomas Zeidler berichtet auf seiner Seite von einer feinen Setlist, die auch Randnotizen des Hitportfolios bringt:

It’s Only Rock ’n’ Roll
Tumbling Dice
Sympathy For The Devil
Play With Fire
Just Your Fool
Ride Em On Down
Dancin With Mr D
Under My Thumb
Gimme Shelter

Volles Haus? Programmiert. Was sonst. Restkarten gibts noch auf oeticket.com

Oder hier bei uns, wenn Ihr nach der Lektüre des Artikels folgende Frage beantworten könnt:

Bei welcher Österreich-Show der Stones war Brian Jones letztmalig dabei?

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Image by © Simone Cecchetti/Corbis The Rolling Stones in Paris 582869276 Mick Jagger/Rolling Stones 1972 582869656 Rolling Stones 1975 Mick Jagger 1972 Rolling Stones 1972 Mick Jagger & Ronnie Wood / Rolling Stones 1981 Rolling Stones 1981 Mick Jagger and Ron Wood on Stage Stephen Stills and Mick Jagger Performing Live Mick Jagger Rolling Stones In Philadelphia Britiish rock band The Rolling Stones
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NETHERLANDS - JULY 31: Photo of ROLLING STONES; Rolling Stones, Arena, Amsterdam, Nederland, 31 juli 2006, Pop, rock, rythm and blues, zanger Mick Jagger wandelt in, een lange paarse jas over het podium en kijkt over de camera heen, op de achtergrond speelt Keith op zijn gitaar (Photo by Peter Pakvis/Redferns)