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Weltuntergang? Geh bitte!

Dauernd ist vom Weltuntergang, der kurz bevorsteht, die Rede. Lauter Schas, befindet Konzeptkünstler Udo Maria Fon und erklärt uns auch gleich, warum.

Text: Franz J. Sauer / Foto: Flora Fon

„Weltuntergang – wenn ich das schon höre. Wieder mal ein feister Beweis dafür, wie wichtig sich der depperte Mensch nimmt!“ Udo Maria Fon ist in Rage. Zumindest sieht es so aus. Dabei ­redet er sich gerade mal warm. Wenn der vielseitige Wiener ­Konzeptkünstler mit steirischen Wurzeln nämlich einmal in Fahrt geraten ist, fangen die Ausführungen seines Wissenslevels meist dort an, wo Wikipedia-­Wissen längst aufgegeben hat. Sprich: Es ist nicht einfach, mit Fon mitzuhalten, wenn es Richtung Space geht und man selbst kein diesbezügliches Studium ­abgeschlossen hat. Und trotzdem ist es alles nach wie vor Kunst.


Der Weltuntergang an sich nämlich stößt dem freigeistigen Denker hauptsächlich als Wort bitter auf. „Es ist relativ klar, wann die Welt untergeht, beziehungsweise ein Leben auf ihr ­unmöglich sein wird. Das tritt in 1,75 Milliarden Jahren ein, wenn die Sonne kurz vor ihrem eigenen Untergang so heiß geworden ist, dass die Erde keine habitable Zone mehr darstellt. Früher geht hier nichts unter. Höchstens die Menschheit. Aber das wird die Erde eher zum Feiern denn zum Untergehen animieren.“

Tatsächlich scheint etwa eine Zarah Leander, wenn sie „Davon geht die Welt nicht unter“ singt, eher die Menschheit zu meinen als den Planeten an sich. Ein Diktum, das stets gern übernommen wurde und wird, aber eben, wie Fon klarstellt, falsch ist. Eine Sichtweise, die einem von einem etwas anderem Blickwinkel als jenem des Untergangs-Geilspechts aus ja auch durchaus Mut machen kann. „Ich persönlich finde es eigentlich recht entspannend, noch etwas weniger als zwei Milliarden Zeit zu haben, bis der Planet verglüht.“

Wie es sich gehört für einen Konzeptkünstler mit wissenschaftlichen Hintergrund, hat Fon daher beschlossen, ein engagiertes Großprojekt anzustoßen, das es mit nichts Geringerem als unserer aktuellen Zeitmessung aufnimmt. „Aktuell terminisieren wir Ereignisse von einem Nullpunkt ausgehend, der 2.000 Jahre in der Vergangenheit liegt. Das gibt keinerlei Auskunft darüber, wie lange wir noch Zeit haben, bis irgend­eine fundamentale Deadline eintritt. Da wäre es doch viel sinnbringender, zu messen, wie viel Zeit uns noch zum einzig wirklich feststehenden Endtermin bleibt, nämlich dem echten Weltuntergang.“ Wie so viele geniale Dinge lässt sich auch das Fon-Konzept der neuen Zeitrechnung auf einem Schmierblatt Papier nachvollziehbar skizzieren (siehe rechte Seite). Eine Uhr zählt nicht mehr rauf, sondern runter, sozusagen, und zwar bis zum Zeitpunkt der Explosion der Sonne, also dem Ende unseres Sonnensystemes. Das bedarf zwar wahrscheinlich einer gewissen Umgewöhnungsphase beim Dates-Ausmachen mit Freunden, unser gewohntes 60-Sekunden-Schema müssten wir dafür aber nicht gleich auf den Kopf stellen. Auch gilt es noch, einen Verkürzungs-Quotienten zu definieren, weil immer von Milliarden-Beträgen zu fabulieren, wenn man einfach nur wissen möchte, wann der nächste Zug abfährt, könnte durchaus, hm, Zeit kosten.

Eine Homepage mit einer simplen Countdownfunktion wird der erste Schritt zur „Endzeit-Uhr“ sein, für weitergehende Services kommt dem findigen Udo Maria sein Name durchaus entgegen: „Man stelle sich vor, es gibt ein Udofon mit der bekannten Einwahlnummer 1503, und dort sagt einem eine Stimme ‚Sie haben mit dem Summerton noch 1,75 Milliarden Jahre, elf Monate, zehn Tage, vier Stunden und achtzehn Minuten Zeit bis zum Ende des Universums.‘“ In der Tat würde eine derartige Zeit-Vorausschau einiges an Stress aus unserem gewohnten Alltag nehmen. Und wer das alles hier als Unfug oder gar Covid-­verspäteten Aprilscherz abtut, den könnte einer wie Udo Maria Fon bald nachhaltig überraschen: ­Erste Gespräche mit Uhrenherstellern sind nämlich bereits im Laufen …


Udo Maria Fon,
Wiener Konzeptkünstler, pflegt mit seinen Projekten eher zu klotzen als zu kleckern. An der Wahrnehmungsthese „ÜBER DIE EMERGENZ EINER ENTITÄT EINER ENTROPIE“ arbeitet er seit mittlerweile fünf Jahren, der erste Teil davon geht demnächst in ein internationales Peer-Review.
Die Endzeit-Uhr kommt als Fingerübung gerade recht. Infos online:
www.fon.space